Historie des Velociped Club Frankfurt 1883

Setzen wir uns zurück in das Jahr 1883. In diesem Jahr wurden Coco Chanel und John Maynard Keynes geboren. Robert Koch entdeckte den Cholera-Erreger.

Deutschland wird von Kaiser Wilhelm I regiert. Sein Reichskanzler war Otto von Bismark. Der Reichstag billigte das erste deutsche Krankenversicherungsgesetz.

In Frankfurt wird mit dem Bau der Main-Neckar Eisenbahnbrücke begonnen, die Lersnerschule eröffnet und die Bewohner der Berger Straße in Bornheim fordern wegen des hohen Verkehrsaufkommens von 987 Personen pro Tag die Verbreiterung ihrer Gasse zu einer Straße.

Es ist die Zeit, in der die Industrialisierung erwacht, die mit neuen brennenden Problemen einhergeht. Eine neue Idee taucht auf und fordert ihre Rechte: der Sport. Der Sport war eine Kampfansage an den selbstgefälligen Spießbürger, der in dieser Zeit die Welt regierte. Dies galt ganz besonders für die Radsportler. Sie galten als Revolutionäre. Aus England war das Bicycle herübergekommen und wurde damals als Verkehrsfeind Nr. 1 bekämpft. Noch bis 1906 gab es in Frankfurt ein Verbot für Radfahrer, ab 10 Uhr vormittags die Innenstadt zu befahren. Nur außerhalb des Anlagenringes durfte geradelt werden. Auch über die Mainbrücken durfte man nicht mit dem Rad fahren. Ein Radfahrer machte sich strafbar, wenn er in der Innenstadt die „ungeheure“ Geschwindigkeit von 12 Stunden-Kilometer überschritt. 

In dieser Zeit, im Jahr 1883 saßen am 17. April in Frankfurt in dem Gasthof „Rosenhof“ 7 tatkräftige und weitsichtige Männer zusammen und gründeten den Velociped Club Frankfurt.

Wie kam es zu dem Namen Velociped und welche Bedeutung hat dieser Name? Die Gründungsmitglieder hatten nur die Wahl zwischen Bicycle Club, entlehnt aus dem Englischen, oder Velo Club aus dem Französischen, denn der Begriff Fahrrad wurde erst 1885 von den deutschen Radfahrvereinen geprägt. Man entschied sich für vélocipède bzw. für dessen Kurzform velociped, was übersetzt Schnellfuß bedeutet.

Durch den Zeitgeist beeinflusst, war die Absicht der Gründungsmitglieder in der Pionierzeit des Radsports mit der Gründung des Vereins dem Geist des Sports mehr Geltung zu verschaffen.  Die kameradschaftliche Seite des Vereinslebens stand mit dem Beginn der Industrialisierung und Arbeitsteilung mit an vorderster Stelle.

Diese 7 Gründungsmitglieder waren: Albert Arnold, Ludwig Becker, James Collin, Eduard Morgenstern, Otto Pfister, Otto Pistorius und Robert Seiffermann.

Robert Seiffermann wurde zum 1. Vorsitzenden ernannt, der damals noch Präsident genannt wurde. Robert Becker war der erfolgreichste Rennfahrer von diesen 7 Gründungsmitgliedern.

1883 wurde noch auf Hochrädern Bahnrennen auf regionaler Ebene ausgetragen, denn erst 1884, also ein Jahr nach Gründung des VC wurde der Dachverband „Bund Deutscher Radfahrer“ gegründet, der dann die erste deutsche Landesmeisterschaft im Radsport ausrichtete. Bei dieser Meisterschaft wurden die deutschen Meister in zwei Klassen, auf Hochrädern und auf Dreirädern ermittelt. Erst 1885 wurde als dritte Klasse das sogenannte Niederrad bei der Meisterschaft zugelassen. Es dauerte 5 Jahre, bis 1890, bis sich das Niederrad, dass ab 1888 mit Luftreifen ausgestattet war, sich gegen die anderen Konstruktionen durchsetzte und denen noch jungen Radsportvereinen zum Durchbruch verhalf. Im Jahre 1886 haben sich in Deutschland die ersten Radfahrer entschlossen, Berufsfahrer zu werden.

 

Der VC Frankfurt trug in dieser Zeit die gesamte Entwicklung des Radsports in Deutschland mit. Der Verein organisierte internationale Rennen und die Mitglieder des Vereins waren wesentlich an der technischen Verbesserung des Niederrads beteiligt. In dieser Zeit glänzte ein besonderer Stern am VC-Himmel: Ernst Sachs. Ernst Sachs gewann Rennen auf Rennen und durch ihn wurde Frankfurt zur Hochburg des Radsports. Ein schwerer Sturz im Jahre 1894 auf der Frankfurter Radrennbahn zwang Sachs zum Ende seiner sportlichen Karriere. Er wendete sich fortan der Technik zu, wurde ein erfolgreicher Industrieller, gründete mit dem Ingenieur Fichtel die Firma Fichtel & Sachs und erfand unter anderem die Freilaufnabe mit Rücktrittbremse, ohne deren Technik auch heute ein einfaches Fahrrad undenkbar wäre. Die sogenannte Torpedo-Nabe verhalf der Firma zum großen Durchbruch.

 

1888 löste Otto Gilberger Robert Seiffermann als Präsident ab und führte den Vorsitz bis 1908.

1908 gewann Hans Ludwig das Rennen „Wien-Berlin“ über 600 km mit einem Vorsprung von 16 Minuten.

Der 3. Präsident des VC Frankfurt war August Stifft, eine der markantesten Persönlichkeiten des deutschen Radsports vor dem II. Weltkrieg. August Stifft führte den Verein 25 Jahre bis 1933. In seine Ära fiel der erste Weltmeistertitel für den VC Frankfurt. 1911 errang diesen Christian, genannt „Christel“ Rohde in Dresden im 1000m Fliegerrennen auf der Bahn. Bei der gleichen Veranstaltung wurden Gustav Leisler und Christel Rohde Vize-Weltmeister im 5000m Tandemwettbewerb und Gustav Leisler Vize-Weltmeister im 2000m Vorgabefahren.

Hans Hundertmarck, ein Opa des bekannten Kai Hundertmarck, wurde 1925 in Stettin Deutscher Meister im Einerstraßenfahren über 200 km der Amateure. Damit hatte der VC Frankfurt zum ersten Mal in seiner Geschichte einen deutschen Meister im Einerstraßenfahren unter seinen Mitgliedern.

1931 siegte Karl Oestreich in Chemnitz bei der Deutschen Bahnmeisterschaft im 25 km Bahnfahren der Amateure und holte sich bei diesem Sieg den Titel eines Deutschen Meisters.

Für viele weitere erfolgreiche VC Rennfahrer dieser Zeit vor 1933 sollen stellvertretend folgende Namen heute genannt werden: Gustav Leissler, Jean Hohe, Heinrich Ranis, Otto Gugau, Julius und Fritz Eichhorst, Heini Göttmann, Max Becht, Adolf Bär und Willi „Klopper“ Christmann. Letztgenannter erreichte als Steher internationales Format.

In diese Zeit fielen auch die Mitgliedschaften von bekannten Namen wie Otto Glöckner, David Stempel und Fritz von Opel. Fritz von Opel finanzierte und formte ab 1926 den bekannten Opel-Rennstall, der in den Folgejahren im deutschen Profiradsport Geschichte schrieb.

August Stifft wurde wegen seines Engagements noch während seiner Amtszeit zum Ehrenmitglied des Bundes Deutsche Radfahrer ernannt. Zu der damaligen Zeit eine sehr seltene Auszeichnung.   

Unter der Ägide von August Stifft wurden im VC auch sogenannte Wanderfahrten organisiert, die schon 1896 die VC-Radler über das Stilfser Joch, nach Tirol und Italien führte.           

Nachfolger von August Stifft als 1. Vorsitzender wurde im Jahre 1933 Franz Remde, der bis 1937 dieses Amt begleitete. Im Präsidentenamt folgten Franz Remde Adolf Bär und Georg Arnold, bis der zweite Weltkrieg sämtliche Vereinsaktivitäten zum Erliegen brachte.

Kurz nach Kriegsende war es Paul Friedrich zu verdanken, dass sich der Verein sehr schnell von den Kriegswirren erholte und in den ersten Jahren nach dem Krieg wieder zur alten Stärke zurückfand. Paul Friedrich war als Rennfahrer aktiv und leitete den Verein vorübergehend bis wieder Franz Remde bis Anfang der 50er Jahre die Leitung des Vereins übernahm.

 

Diese Zeit nach dem Krieg war für den Verein aus sportlicher Sicht eine überaus erfolgreiche Zeit. So gewann 1947 Horst Holzmann den Deutschen Meistertitel im Einerstraßenfahren in der Jugendklasse. 1950 holte er sich als junger Amateur zusammen mit dem Frankfurter Theo Intra den Deutschen Meistertitel im 100 km Zweier-Mannschaftsfahren auf der Bahn. Im darauffolgenden Jahr 1951 wurde Horst Holzmann Deutscher Meister im Einerstraßenfahren der Amateure über 254 km in Bielefeld. Ebenfalls 1951 gewann Horst Holzmann die Weltmeisterschaftsrevanche über 210KM in Mühen in der Schweiz und wurde beim Treffen der Weltmeister in Seveso/Italien über 190KM 3. Insgesamt war Holzmann in Jahren 1951 bis 1962 einer der erfolgreichsten deutschen Berufsradfahrer auf der Straße und der Bahn.          

 

1954 errang Günther Badstübner, noch als Amateur die deutsche Vize-Meisterschaft auf der Bahn im Tandem mit seinem Partner Potzernheim.

Im Jahr 1955 schlug die Stunde der vier VC-Musketiere: Günther Badstübner, Werner Eckstein, Jochen Gierka und Wolfgang Götzelmann, die sensationell im 4000m Vierer-Mannschaftsverfolgungsfahren mit ihrem Kapitän Badstübner auf der Bahn Deutscher Meister wurden.

Im Jahr 1958 feierte der Verein sein 75jähriges Bestehen und durfte anlässlich dieses Datums in diesem Jahr die Deutsche Meisterschaft auf der Bahn im Frankfurter Stadion mit großem Erfolg ausrichten. Durch diese erfolgreiche Veranstaltung qualifizierte sich der Verein als Veranstalter großer nationaler und internationaler Radsportereignisse.

Nach dem Tode von Franz Remde übernahmen in den 50er, 60er und 70er Jahren die Herren August Büdinger, Rudolf Heinlein und Uwe Scheuch die Führung des Vereins bis 1979 Horst Dorn, der heutige Ehrenpräsident, zum 1. Vorsitzenden des Vereins gewählt wurde.

Während der 60er Jahren, als ganz allgemein in Deutschland der Radsport, trotz herausragender sportlicher Erfolge wie z. B. 1966, als Rudi Altig auf dem Nürburgring Weltmeister wurde, wenig Beachtung fand, hatte auch der VC unter dieser gesellschaftlichen Entwicklung zu leiden. Diese Tristesse dauerte bis 1977, als ein gewisser Didi Thurau bei der Tour de France nach 11 Tagen im gelben Trikot einen ersten Radsportboom in Deutschland auslöste.

Seit den 70er Jahren bis heute sind an der Außendarstellung des Vereins zwei Vereinsmitglieder, Walter Wahl und Horst Dorn maßgeblich beteiligt. Beide fanden 1975 ihre Berufung in der Organisation des Frankfurter Radcross am Bornheimer Hang. Dreimal wurde diese Veranstaltung als Deutsche Meisterschaft, einmal als Weltcup und einmal als Europameisterschaft ausgetragen. 

Doch nicht nur der Frankfurter Radcross wurde vom VC in dieser Zeit organisiert, sondern auch u.a. 1980 die Hessische Meisterschaft der 4er Vereinsmannschaften, ebenfalls 1980 richtete der VC ein Derny-Rennen auf der Frankenallee in Frankfurt aus und 1986 die Deutsche Meisterschaft im 2er Mannschaftsfahren auf der Bahn des Frankfurter Stadions.    

Mit der Organisation dieser Rennen war das Duo Wahl/Dorn nicht ausgelastet, so dass ab 1981 bis 2008 der Odenwälder Renntag in Michelstadt durchgeführt wurde. Bei dem Hauptrennen, das als „Rund um das Michelstädter Rathaus“ bekannt wurde, waren immer Weltmeister und Olympiasieger am Start. So gewann 2000 der leider schon verstorbene Andreas Kappes das Kriterium.       

Ende der 70er Jahre stellten sich auch wieder die sportlichen Erfolge für die VC-Rennfahrer ein.

1979 wurden Karl Rauleder, Kurt Landau und Edmund Stein im 3er Mannschaftsfahren der Senioren Hessenmeister.

1981 gewann Freddy Barth den Hessentitel im Einerstraßenfahren der Junioren.

1983 Thomas Hockauf den Titel des hessischen Meisters im Radcross

1986 machten erstmals die Brüder Timo und Ralph Berner als VC-Jungtalente auf sich aufmerksam, wobei Ralph Berner gegenüber seinem Bruder Timo hinsichtlich seiner Titelsammlung im Radcross der erfolgreichere war. So gewann 1986 Ralph Berner den Deutschen Meistertitel im Radcross bei den Junioren. 1987 wurde Ralph Berner in der Klasse der Junioren Vize-Weltmeister. Ein anderer VC-Junior, ein gewisser Kai Hundertmark, wurde in diesem Rennen guter 10. In den Jahren 1992, 1993 und 1994 wurde Ralph Berner dreimal hintereinander Deutscher Meister im Radcross bei den Amateuren. 1993 gelang ihm in Italien wieder den Titel eines Vize-Weltmeister im Radcross zu erringen. Dieses Mal bei den Amateuren. Aber auch der aufkommende Mountainbike-Sport interessierte Ralph Berner. Prompt gewann er 2 Deutsche Meistertitel im Cross-Country Wettbewerb der Elite, 1994 und 1998. Seinen Lohn für seine Leistungen erhielt Ralph Berner allerdings 1996, als er in Atlanta Mitglied der deutschen Olympiaauswahl war und im Mountainbike-Wettbewerb den 10. Platz belegte. Nach einer familienbedingten Pause bis 2012 trat Ralph Berner wieder in der Master-Klasse im Radcross an. In der Zeit von 2012 bis 2018 war er immer auf dem Podium bei der Deutschen Meisterschaft, wobei er viermal den Deutschen-Mastertitel im Radcross gewann. In den beiden Jahren 2014 und 2015 wurde er jeweils in Gossau in der Schweiz Vize-Weltmeister in seiner Altersklasse.

1990 gab Horst Dorn den Vorsitz an Günter Schabel ab, der in den Folgejahren den Rennsport weiter vorantrieb. In seiner Amtszeit errangen die VC-Rennfahrer im In- und Ausland unzählige Siege und wurden zu einer tragenden Säule im deutschen Amateurrennsport. 

Hier eine kleine Auswahl der Erfolge ohne Anspruch auf Vollständigkeit:

1990 und 1993: VC Hessenmeister in der Vierermannschaft

2002: Sven Bauer Hessenmeister im Einerstraßenfahren, Amateure

2003: Patrik Köhler Hessenmeister im Einerstraßenfahren, Amateure

Im Jahr 2005 errangen die VC-Rennfahrer in der Jugendklasse, bei den Junioren, in der U23 und bei der Elite jeweils den Titel eines Hessenmeisters im Einerstraßenfahren. Es waren Maximilian Gerny, Michael Prozeller-Weber, Matthias Friedemann und Karsten Volkmann.

2006 wiederholte Maximilian Gerny seinen Sieg bei der Hessenmeisterschaft. Diesmal bei den Junioren. Dies schaffte auch Jakob Thiemeier, der 2005 in der Jugendklasse und 2006 bei den Junioren jeweils hessischer Bergmeister wurde.       

2004 wagte sich der Verein unter der Führung von Günter Schabel durch Gründung eines sogenannten Group Sportif III -Teams in den Profi-Radsport. In diesem sehr erfolgreichen Team fuhren neben altgedienten VC-Fahrern, wie z. B. Sven Bauer, Torsten Hildebrand und Marc Hohmann auch ausländische Profis, wie der mehrfache australische Meister und Olympiasieger Scott McGrory, der Australier Jason Phillips und der heute noch aktive und sehr erfolgreiche Mountainbike-Profi Karl Platt. Allerdings stand die finanzielle Absicherung unter keinem guten Stern, so dass nach einem Jahr das Team wieder aufgelöst werden musste.

2006 kam es zu einem unerwarteten Paukenschlag. Dirk Müller, damals Mitglied des Vereins, überraschte bei der Deutschen Meisterschaft der Profis die anwesende gesamte Elite des deutschen Radsports und wurde Deutscher Meister der Profis im Einerstraßenfahren in Klingenthal vor Matthias Kessler und Jens Voigt.

In diesem Jahr 2006 wurde Günter Schabel zum Vizepräsidenten des hessischen Radsportverbandes gewählt. Den vakanten Vorsitz im Verein übernahm Dr. Reinhard Deimer.

Mit Dr. Deimer verlagerte sich im Rennsport der Schwerpunkt auch unter finanziellen Gesichtspunkten in Richtung Jugendarbeit mit dem Ziel die Nachwuchsförderung in Frankfurt und Umgebung weiter auszubauen. Auch gelang es Herrn Deimer mit dem Unternehmen Hansen Werbetechnik ein mittelständiges Unternehmen für seine Ziele: Förderung des Jugendrennsports gekoppelt mit der heute leider notwendigen Dopingprävention zu begeistern. Denn gerade bei den Jugendlichen ist es wichtig aufzuklären, welche Konsequenzen sie in ihrem Sportlerleben erwarten, wenn sie sich zum Medikamentenmissbrauch entschließen sollten.

 

Im Jahr 2007 wurde dank der Unterstützung durch Hansen-Werbetechnik ein Bundesliga-Junioren-Team unter dem Namen „Hansen Werbetechnik – VC Frankfurt“ gegründet. Im nationalen Vergleich eine absolute Ausnahme, dass ein kleiner Verein eine eigene Bundesliga-Mannschaft an den Start schickt, die sich mit den Teams der Landesverbände zu messen haben.

 

Zu diesem Team gehören 11 Jugendliche im Alter von 17 – 18 Jahre, die nicht nur durch ihre neu kreierten knallgelben Trikots bei den Rennen für Aufsehen erzeugten. Zur Philosophie des Vereins gehört es, dass er den Fahrern durch Bildung eines Teams die Möglichkeit bietet, sich mit ihren Alterskollegen auf höchstem nationalem Niveau zu messen. Auch wenn die nationale Konkurrenz sehr stark ist, denn die Fahrer müssen lernen, dass es sich lohnt sich Ziele zu setzen und dass es bei der Realisation auch zu Enttäuschungen kommen kann.

Weiterhin wird durch die Teambildung der Gemeinschaftsgedanke gefördert, ein ethischer Grundwert, der in der heutigen Gesellschaft nicht allzu weit verbreitet ist.  Auch lernen die Junioren durch ihre Freude und Engagement eine gewisse Vorbildfunktion für ihre Altersgenossen auszuüben. Sie zeigen ihren Altersgenossen, dass es neben IPod und Computerspielen andere sinnvollere Möglichkeiten gibt sich zu beschäftigen.

Dass dieses Junioren-Team insgesamt bis 2017 bestehen sollte, hatte 2007 niemand gerechnet. Dies konnte nur durch ein kontinuierliches Sponsoring der Firma Hansen-Werbetechnik mit seinem Geschäftsführer Erhard Sobeck erreicht werden.

Während 11-jährigen Bestehens, starteten insgesamt 73 Fahrer für das Team. Sie konnten 30 Siege und 565 Platzierungen erreichen. Darunter auch einige Hessenmeister-Titel, auf der Straße und Bahn.

Die Beständigkeit über diesen langen Zeitraum ist in der heutigem Radsportwelt, keine Selbstverständlichkeit. Ab 2009 wurde das Team sehr erfolgreich von Maximilian Gerny geleitet.

Die erste Podiumsplatzierung bei einem Bundesligarennen konnte Torben Xanke im Jahr 2011 mit einem 3. Platz in Buchenau-Dautphe einfahren.

Besonders zu erwähnen in der Teamhistorie ist Jonas Rutsch, der in der Saison 2016 den 10. Platz in der Bundesliga-Gesamtwertung erreichen konnte. Bei unserem Heimrennen ,,Rund um den Finanzplatz Eschborn-Frankfurt“ am 1. Mai belegte er einen herausragenden 3. Platz. Neben diversen Nationalmannschaftseinsätzen nahm er im selben Jahr auch an der Weltmeisterschaft in Katar teil, bei der er eine wichtige Rolle für den Vize-Weltmeistertitel des BDR übernahm.   

Durch die strukturierte Förderung im U19 Bereich, setzten viele unserer Rennfahrer ihre sportliche Laufbahn im U23-Bereich fort und wurden mehrmals für die Nationalmannschaft nominiert. Einige schafften sogar den Sprung in die Profiklasse.

So wurde im Jahr 2018 Jonas Rutsch Deutscher Bergmeister, sowie Deutscher Vize-Meister sowohl im 1er-Straßenrennen als auch mit seinem Team Lotto-KernHaus im Mannschaftszeitfahren der Klasse U23. In der Gesamtwertung der Deutschen Bundesliga der U23 belegte er den 2. Platz. Danach schaffte Jonas Rutsch den Sprung in die Worldtour und fährt für Education First (EF-Nippo) und ist Mitglied der Deutschen Nationalmannschaft der Elite.

Mit Leon Echtermann, Florian Obersteiner und Victor Brück gewannen drei weitere ehemalige Teamfahrer des VC Frankfurt mit dem Team Herrmann Radsport die Deutsche Meisterschaft im Mannschaftszeitfahren.

So wirkt sich die professionelle Förderung Hessischer Nachwuchstalente im ,,Team Hansen-Werbetechnik / VC Frankfurt“, auf lange Sicht in großer Nachhaltigkeit aus.

Ende der 70er Jahre etablierte sich im Verein neben dem Rennsport auch der Breitensport und sollte in den darauffolgenden Jahren bis heute für den Verein immer wichtiger werden. Die Anzahl der Mitglieder, die als so genannte Radtourenfahrer, die an einem Tag Strecken bis zu 150 km und manchmal auch über 200 km in der regionalen Umgebung, in Deutschland und im Ausland bewältigen, stieg kontinuierlich an und der VC verfügt heute mit ca. 40 aktiven Radtourenfahrern eine der größten Radtouristikabteilungen im Rhein-Main-Gebiet. Diese Breitensportler, die innerhalb eines Jahres zusammen bis zu 100.000 km zurücklegen, treffen sich bei den so genannten Radtourenveranstaltungen, um die von dem jeweiligen Veranstalter ausgeschilderten Strecken in Angriff zu nehmen. Wenn auch offiziell bei diesen Veranstaltungen die STVO beachtet wird, werden von den Fahrern doch beachtliche Stundenmittel erreicht, um auch dem Profi-Outfit gerecht zu werden.

Auch bei diesen Radtourenveranstaltungen trat der Verein von Anfang an als Veranstalter auf. Im Mai 1978 wurde vom VC erstmals eine Radtourenfahrt mit dem Namen „Rund um den Feldberg“ und Start und Ziel am Waldsportplatz in Steinbach veranstaltet. Ohne zeitliche Unterbrechung wird von den Mitgliedern diese Veranstaltung, die ab 1993 auf dem Gelände der Firma Fahrrad Brügelmann stattfand und ab diesem Zeitpunkt unter dem Namen „Brügelmann Tour“ bekannt wurde, organisiert. Ab 2015 hat die Veranstaltung eine neue Heimat in Urberach gefunden und führt nun durch den Odenwald.

Neben dieser traditionell in den Sommermonaten durchgeführten Tour organisieren die Mitglieder des Vereins seit 1985 jeweils im Frühjahr eine weitere Radtourenfahrt durch das Rodgau, die seit 2010 ebenfalls in Urberach stattfindet und in den Jahren 2011 bis 2017 als Hansen-RTF bekannt wurde. Im Jahr 2018 konnte ein neuer Teilnehmerrekord verzeichnet werden. 903 Teilnehmer begaben sich auf die angebotenen Strecken durch den nördlichen Odenwald und dem Rodgau.

Weiterhin organisierte der Verein in den Jahren 2007 bis 2013 auch eine Cross-Country-Tour für Breitensportler in Rodheim, bei der die Teilnehmer auf einer Streckenlänge von bis zu 60 km über ausgeschilderte Naturwege durch den Wald und durch das Feld fuhren.

Seit 1978 hat der VC insgesamt 75 RTF-Veranstaltungen organisiert.

Ohne die tatkräftige und nimmermüde Hilfe, der mittlerweile rund 200 Mitglieder des Vereins, wäre die Organisation der Veranstaltungen sowohl im Renn- als auch im Breitensport nicht möglich gewesen. An dieser Stelle sei erlaubt den Mitgliedern für ihre geleisteten Stunden   zu danken.

Es wird interessant zu beobachten sein, wie sich ein reiner Amateurverein trotz aller widrigen Umstände, die momentan dem Radsport entgegenschlagen, weiterentwickelt, getreu seinem Slogan:

VC Frankfurt – ein Verein, der lebt.